Meitingen im Wandel der Zeit - ein geschichtlicher Überblick

Meitingen - Altort

Für Meitingen war die Kraft des Lechs prägend – für Jahrhunderte ein Faktum. Dieser Fluss war bis in unser Jahrhundert mehr Schrecken denn Freund, da häufige Überschwemmungen (letztmals 1919) das Hab und Gut sowie das Leben der Menschen selbst gefährdeten. Durch die Umwandlung der Kraft des Wassers in elektrischen Strom wurde die Grundlage geschaffen, um Meitingen zum Wirtschaftsraum mit Lebensqualität zu entwickeln.

Der Mensch griff schon sehr früh in unseren Raum gestaltend ein. So geben Hügelgräber westlich der Schmutterhöhen bereits Zeugnis menschlicher Besiedlung im 2. Jahrtausend vor Christus. Als um 15 v. Chr. die Militärstraße von Rom an die Donau angelegt wurde, galt sie als Reichs-, Handels- und Poststraße. Der Name „Via-Claudia“ für diese Straße ist heute noch lebendig.

Der Ursprung Meitingens reicht bis in die Zeit der alemannischen Landnahme zurück. Von den Ursiedlungen vom Norden und Süden her siedelten die Alemannen und gründeten Meitingen als Auslegerdorf. Der „uralte Edelmannsitz Meitingen“ war bald die Heimat eines weitverzweigten und bedeutenden Geschlechts von Bauern und Kaufleuten. Die älteste bekannte Urkunde, in der Meitingen erwähnt wird, ist datiert im Jahre 1231. Sie berichtet von Patronatsrechten, die Heinrich, Markgraf von Burgau, der Kirche von Wittislingen gewährt und in deren Verleihung Heinrich, Truchseß von Mutingen (=Meitingen) als Zeuge benannt wird.

Nähere Auskünfte über das Meitingen vergangener Jahrhunderte finden sich in der Urkunde vom 9. März 1283. Albert Ritter von Vilibach (Villenbach) kaufte mit dieser Urkunde den Meitinger Meierhof (heute Römerstraße 10) und einen weiteren Hof in Meitingen, den er in den Besitz des Klosters Niederschönenfeld eingliederte. Der Meitinger Ortsadel der Meutinger (1239) führte in seinem Wappenschild einen „Bärenrumpf mit goldenem Halsband“. Dieses Wappen ist Grundlage für das Hoheitszeichen Meitingens.

In den folgenden Jahrhunderten durchlebte Meitingen verschiedene Herrschaftsverhältnisse. So waren im 13. Jahrhundert die Truchsesse von Kühlenthal und die Ministerialen der Augsburger Kirche in Meitingen begütert, die dann im 14./15.Jahrhundert von der pappenheimischen Herrschaft aus Biberbach abgelöst wurden. Die neuen Herren über Meitingen teilten ihre Güter 1456. 1520 war Meitingen wieder Einheit, als der Augsburger Hans Pimmel den ihm noch fehlenden Rest Meitingens erwarb. Er baute sich als Herrensitz ein „Neues Haus“ – das spätere Schloß (ab 1768), das heute einen Teil des Johannesheimes darstellt.

Die wechselnden Besitzer (Hospital Augsburg, Fugger von Biberbach) wurden erst 1704 durch die Herren von Schnurbein abgelöst. Sie erwarben Meitingen um 31.000 Gulden. Sie nannten sich fortan „Schnurbein auf Meitingen“. In den Jahren 1768 bis 1773 renovierte Markus IV. von Schnurbein das Schloß. Sein Sohn Markus Jakob wurde Stammvater einer zahlreich in Meitingen (später Hemerten), Ettelried und Hurlach blühenden Familie. Heute erinnern das Schloss, der Schlosspark, die Schlossstraße und die Schnurbeinstraße an dieses Meitinger Geschlecht. Die Schnurbeins besaßen Meitingen bis 1848.

Die Wurzeln des kommunalen Aufstiegs liegen in dieser Zeit. Meitingen als Mittelpunkt zwischen Augsburg und Donauwörth, an einer wichtigen Verkehrsader gelegen, empfahl sich bereits frühzeitig als Halteplatz und Pferdewechselstation. Mit dem Bau des Bahnhofs 1844 besserte sich die Verkehrserschließung, die einen ersten großen Aufschwung Meitingens bewirkte. Die Bevölkerungszahl stieg vom Jahre 1840 mit 231 Einwohnern auf 438 bis zum Jahre 1880 Mit dem Begradigen des Lechs ab 1912 und dem Bau des Lechkanals brach die Zeit des neuen, modernen Meitingens an. Das Wasserkraftwerk der Lech-Elektrizitätswerke und das angegliederte Umspannwerk der Bayernwerke schufen in den Jahren 1922 und 1923 die Grundlage für die Industrialisierung Meitingens über ein günstiges Energieangebot.

Schon 1923 siedelte sich der elektrothermische Betrieb, der Vorgänger unserer heutigen SGL Carbon AG, an. Die Vielzahl der neuen Arbeitsplätze, das Zuziehen zahlreicher Handwerker und Geschäftsleute bewirkten ein sprunghaftes Anwachsen der Bevölkerung und ein Zurückdrängen der reinen Agrarstruktur.

Das größere Meitingen erforderte neue Einrichtungen. 1927 legten die Meitinger einen eigenen Friedhof an, und an der Stelle der kleinen St.-Wolfgangs- Kapelle entstand 1930 die St--Wolfgangs-Kirche. Eine selbstständige Pfarrei ist Meitingen seit dem Jahre 1941. Die im Jahre 1936 erbaute Gemeindehalle dient noch heute der Gemeinschaftspflege.

Das Christkönigs–Institut unter Leitung seines Gründers Dr. Max Josef Metzger wirkte über die lokalen Grenzen hinaus. Seiner Zeit voraus war Dr. Max Josef Metzger mit seinem Leitgedanken: „Für die Einheit der Kirche und den Frieden in der Welt“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich der Aufschwung Meitingens fort. Zahlreiche Heimatvertriebene erkannten die Chance, sich hier eine Lebensgrundlage zu schaffen. Sie fanden vor allem in der damaligen Firma Siemens–Plania Arbeitsplätze. Die Gemeinde konnte mit den eingehenden Steuern wichtig gewordene kommunale Aufgaben angehen. Dem Lindern der Wohnungsnot galt das Augenmerk unmittelbar nach dem Krieg. Davon zeugen heute noch die Häuser in der Parksiedlung. 1953 wagte Meitingen den Bau einer modernen, großzügigen Schule mit Turnhalle. Die zentrale Wasserversorgung im Jahre 1956 folgte und schon zwei Jahre später begann der Bau der Kläranlage mit den dazugehörigen Leitungen. Beides zeugt von Weitblick, ebenso das frühzeitige Ausbauen der Straßen.

Mehr und mehr entwickelte sich Meitingen zum zentralen Ort im Lech–Schmuttertal. Ein Beweis dafür ist die im Jahr 1956 gegründete evangelische Pfarrei St. Johannes, die weit über Meitingen hinauswirkt. Auch im schulischen Bereich war sich Meitingen seiner Pflicht aus der Mittelpunktsfunktion bewußt. Besonders die Realschule (1968), aber auch die im Jahre 1973/74 gebaute neue Hauptschule verdeutlichen dies.

Einen entscheidenen Marktstein in der Geschichte bildet das Jahr 1972. Waltershofen, Erlingen, Ostendorf und Herbertshofen gliederten sich freiwillig Meitingen an. Die Großgemeinde wurde im Jahr 1978 durch Langenreichen vervollständigt. Als besonderes Charakteristikum ist zu bewerten, daß der Weg zur Großgemeinde auf freiwilligen Zusammenschluss beruht. Damit wurden für Meitingen Partner, Freunde gewonnen, die in ihren Ausprägungen zwar verschieden, sich in ihren Zielvorstellungen aber unserer Großgemeinde verpflichtet fühlen. Dies kommt einerseits im Erhalt des dörflichen Eigenlebens zur Geltung, andererseits wird es in der gemeinsamen Gestaltung kommunaler Aufgaben sichtbar.

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