Ortschronik Langenreichen

Langenreichens Geschichte reicht nahezu 1000 Jahre zurück. Die erste Nennung erfolgt durch eine Weihenotiz der Kirche, die zwischen 1062 und 1065 anzusetzen ist. Die Kirchenweihe nahm damals Bischof Gundekar von Eichstätt vor, was aus der Weiheurkunde des Diözesanarchivs Eichstätt zu entnehmen ist. Im 18. Jahrhundert, so wird in alten Büchern berichtet, war Langenreichen „ein Dorf von 45 Feuerstätten nebst einem Zapfenwirth, zur Herrschaft Marckt gehörig“. Hinzu kommt der südwestlich gelegene Weiler Zeisenried („Rodung der Zeise“), der aus zwei landwirtschaftlichen Anwesen besteht. Ebenfalls zu Langenreichen gehört die an der Schmutter gelegene Reichenmühle, die ihren Namen nicht von Langenreichen ableitete, sondern „Mühle bei der Eiche“ oder „Eichmühl (1346) und Rei-chermühl (1359)“ genannt wurde.

Langenreichen teilt sich in zwei Siedlungsformen, nämlich in ein über einen Kilometer langes Straßendorf entlang der Hauptstraße und in ein Haufendorf, der sog. „Pfarrei“, in Richtung Markt gelegen. In den einzelnen Zeitepochen wechselte Langenreichen auch mehrmals seinen Namen. So hieß es im Jahre 1303 „Langenrichen“ aus dem Jahr 1437 stammt „Lartrichen“, 1507 „Kirchenreichen“ und seit dem 18. Jahrhundert besteht der jetzige Ortsname, der zum einen von den „Edlen von Richen“ und zum anderen von der Länge des Ortes „etwa eine Viertelstunde lang“ geprägt wurde.

In der „Pfarrei“ steht auch eine der beiden Langenreichener Kirchen, die Sankt – Stephans - Kapelle, an die sich der schön gelegene Friedhof anschließt. Seit 1607 ist Langenreichen eine eigene Pfarrei, was zur Errichtung der Sankt – Nikolaus - Pfarrkirche führte, die 1921/22 eine raumbestimmende Umgestaltung erfuhr (Stuck und Fresken, neue Orgel und Abänderungen der Altäre) und 1973 saniert wurde.

Ein bekannter Sohn Langenreichens ist der im 1. Weltkrieg gefallene Lehrer Josef Ritter von Steiner, Träger des Max - Josef - Ordens. Langenreichen hatte 1939 434 Einwohner und wurde nach dem 2. Weltkrieg neuer Wohnort vieler Heimatvertriebener. So stieg die Einwohnerzahl im Jahr 1950 auf 659 an. Im Jahre 1953 wurde die Schule mit 2 Schulsälen eingerichtet, die nach der Schulreform aufgelassen wurde und heute durch die örtlichen Vereine genutzt wird. Vor dem Neubau der Staatsstraße im Jahre 1963 wurde das örtliche Kanalnetz verlegt und an die im Jahre 1976 fertiggestellte mechanisch – biologische Kläranlage am Viehweidbach ( Reichenbach ) angeschlossen. Es folgte die zentrale Wasserversorgung, die vom Hochspeicher des Marktes Meitingen gespeist wird. Langenreichen umfaßt eine Fläche von 862 ha ist damit flächengrößter aller Meitinger Ortsteile und durch seine Lage von 480 m über dem Meeresspiegel Meitingens „Oberdorf“.

Im landwirtschaftlich orientierten Ort wurden in den Jahren 1974 – 1976 zwei Wohnsiedlungen geschaffen, die über 50 Familien ein gemütliches Zuhause bieten. Viele Bürgerinnen und Bürger finden sich in den fünf örtlichen Vereinen zusammen und sind Garanten für eine rege Vereinstätigkeit. Neben dem Schützenverein „Gemütlichkeit“, der Freiwilligen Feuerwehr, der Soldatenkameradschaft, dem Verein für Gartenbau und Landschaftspflege ist auch die Freizeit - und Gymnastikgruppe, die sich durch mannigfaltige Aktivitäten am Dorfgeschehen in hervorragender Weise beteiligt.

Nachdem die damals noch selbständige Gemeinde Langenreichen im Zuge der Landkreisreform ab 1. Juli 1972 dem Landkreis Augsburg zugeschlagen wurde, erfolgte die Eingliederung in die neue Großgemeinde Meitingen zum 1. Mai 1978.

Rund um die St. – Nikolaus – Kirche und das alte Schulhaus bildete sich in den vergangenen 15 Jahren ein schmucker Ortskern heraus. Das neue Feuerwehrhaus, Schützenheim und Gymnastiksaal fanden hier Platz. Mit viel Liebe zum Detail und handwerklichen Geschick sanierte die Kirchengemeinde St. – Nikolaus den alten Pfarrhof. Heute dient das historische Gemäuer als Pfarrheim und bietet Raum für die Jugend Langenreichens. Das Umfeld der St. – Nikolaus – Kirche ist neu gestaltet durch das kleine Baugebiet am Kirchenpfad. Ein Ortskern, der den dörflichen Charakter Langenreichens unterstreicht und das Heimatbewusstsein seiner Bewohner zeigt.

Im Naturpark westliche Wälder gelegen, kommt für Langenreichen der Landschaftspflege besondere Bedeutung zu. Diese Aufgabe ging der Markt Meitingen konzentriert am Viehweidbach westlich Langenreichs an. Heute schlängelt sich das Bächlein wieder mit unterschiedlich gestalteten Ufern und wechselnden Fließgeschwindigkeiten durch das Tal, bildet eine typische Auenlandschaft mit wechselfeuchten Zonen und extensiv genutzten Wiesen. An der Straße nach Markt entsteht ebenfalls eine abwechslungsreiche Landschaft mit offenen Gräben, Teichen, Geländeabstürzen und Trockenmauern. Ein ökologisch wertvoller Lebensraum, der zugleich Niederschlagswasser speichert und zurückhält.

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